Schutzkonzept: Verhaltensleitlinien für Sportlerinnen und Sportler

So, auf zum nächsten „deep dive“ ins Schutzkonzept: Was erwarten wir eigentlich von euch als Sporttreibende? Was könnt ihr tun, damit vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch alle Erwachsenen, mit gutem und sicherem Gefühl beim TuS Sport treiben können?

Als Vorbemerkung – ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist mir sehr wichtig – mag ich kurz sagen: Diese Leitlinien sollen nicht heißen, dass ihr ganz schlimm seid, wenn ihr das mal anders gemacht habt, und sie sollen auch niemandem unterstellen, er oder sie führt was übles im Schilde. Es geht vielmehr darum, dass wir alle etwas dafür tun können, dass (a) Täter bei uns keine Chance haben, weil wir die Grauzonen ausgeleuchtet haben, und (b) alle beim TuS gute Erfahrungen mit persönlichen Grenzen machen, damit alle gut in der Lage sind, in tatsächlich brenzligen Situationen gut auf sich zu achten.

Dazu ein Beispiel: Von allen Kindern wird erwartet, dass sie Nein sagen, wenn ihnen jemand Fremdes Bonbons anbietet. Aber wir üben das fast nie mit Kindern! Ganz oft lernen sie eigentlich, dass ihr Nein zu wenig geachtet wird: Wenn sie noch nicht nach Hause wollen vom Spielplatz, nicht mit zur Oma wollen, nicht zur Schule wollen, überall ist eigentlich die Erfahrung: Ich spüre ein Nein, aber es ist egal. Leider sind da ja auch wirklich Beispiele drin, wo man nicht einfach sagen kann „dann gehst du halt nicht zur Schule“. Aber man kann dafür sorgen, dass genug Situationen passieren, wo das Nein eben doch Gewicht haben kann, und genau darum geht es auch im Schutzkonzept. Wir zelebrieren, dass Menschen Grenzen haben, es ist etwas Gutes!

  • Individuelle Grenzempfindungen werden ernst genommen und respektiert und nicht abfällig kommentiert.

Hier ist eure Chance: Wenn jemand was komisch findet, ist das so. Wenn jemand neu zum Training kommt und nicht mitmachen will bei einem Einstimmungsritual, dann ist das okay. Ihr könnt hier freundlich sein, indem ihr das ganz klar benennt: „Hey, kein Thema, du musst nur mitmachen worauf du Bock hast“. Vielleicht ist es sogar interessant, dieses Befremden mal zu verstehen, vielleicht ist ja echt was komisch daran und man hat es noch gar nicht bemerkt, weil sich alle schon so lange kennen!

  • Das sportliche Miteinander wird so gestaltet, dass die Grenzen aller Teilnehmenden gewahrt werden. Dies beinhaltet explizit sowohl körperliche wie verbale Grenzverletzungen. 

Diese Regel habt ihr schon im letzten Beitrag über die Leitlinien für Mitarbeitende gelesen: Das sportliche Miteinander wird ja gemeinsam gestaltet! Wenn jemand immer Sprüche austeilt, und ihr merkt, einer Person geht das eigentlich gegen den Strich, könntet auch ihr etwas sagen – vielleicht sogar leichter als die betroffene Person. Wenn ihr merkt, dass die Hilfestellung der Trainerin (die ihr selber vielleicht völlig okay findet) immer dazu führt, dass jemand rot wird, könntet ihr nachfragen.
Die Leitlinien wollen euch dazu ermutigen, diese Themen besprechbar zu machen: Das ist in der Situation nett („Ach, ist dir das aufgefallen, ja stimmt, ich mag’s gar nicht wenn ich so im Mittelpunkt stehe wenn sie mir hilft“) und es macht es normal, dass Grenzen wichtig sind – wir bauen quasi eine Kultur auf, wie sie sein sollte!

  • Wenn jemand mir ein “Nein” sagt (oder ein “Stopp” oder ein “Hör auf” oder eine vergleichbare Abgrenzung), achte ich dies und höre auf mit der Handlung/ der Aussage, die das Nein hervorgerufen hat. 

Diese Regel ist hoffentlich selbstverständlich – sie steht vor allem im Schutzkonzept, damit man sich ganz glasklar drauf berufen kann: Ich habe Stopp gesagt, du MUSST aufhören damit. Das können dumme Anmachen sein, ungefragte Kommentare zur Ausübung des Sports, romantische Avancen, Kommentare über den Körper, eine Hand auf der Schulter… alles Mögliche eigentlich. Und auch hier gibt es wieder eine doppelte Message: Hört auf, wenn jemand Nein sagt, und traut euch gern, Nein zu sagen, wenn etwas stört!